Dienstag, 26. Juni 2007

Marco Weiss und die türkische Justiz

Da werden wir nun seit ein paar Tagen mit dem Schicksal des 17-jährigen Marco Weiss an seinem Urlaubort Antalya/Türkei konfroniert. Viel interessanter, als das, was sich angeblich (oder vorgeblich) zwischen ihm und einer mutmaßlich 13-jährigen Engländerin zugetragen hat, ist wohl die Frage, was dieser Fall über die Türkei als Land und Nachbarland der EU aussagt. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin keineswegs gegen die Türkei, auch nicht Türken-feindlich... Aber ich habe eine Meinung zur Türkei als kulturelles Land, daß nuneinmal islamisch und in manchen Bereichen recht rückständig ist.

Tatsache scheint zu sein, daß Marco Weiss Sex mit diesem Mädchen hatte, von dem er sagt, daß sie ihm gegenüber sich als 15-jährige ausgegeben hatte. Nun, wollten wir ihm das so glauben. Aber: Hätte er sich nun den Paß zeigen lassen sollen, bevor es zwischen den beiden zur Annäherung kam? Absurd. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob der Begriff "Mißbrauch" hier in irgend einer Weise zutreffend ist. Die Anzeige gegen Marco wurde durch die Mutter des Mädchens gestellt. Das zeigt, daß sie (die Mutter) ihrer Tochter nicht Herr war, und das Geschehen nicht beeinflussen konnte. Das Mädchen hat ihrerseits bestätigt, daß es nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen war. Und selbst wenn, mit welchem Recht wird behauptet, hier sei jemand mißbraucht worden? Mißbrauch setzt das fehlende Einverständnis der mißbrauchten Person voraus, und das ist bisher nirgendwo zu erkennen. Ein Mädchen, daß nackt im Bett neben einem Jungen liegt, den sie erst vor kurzem kennengelern hat, und hinterher von Mißbrauch spricht, wirkt auf mich nicht sonderlich glaubhaft. Wer der Meinung ist, man solle Kindern (auch wenn diese noch minderjährig sind) jegliche Freiheiten verbieten, der sollte sich vorher überlegen, überhaupt Kinder anzuschaffen. Meine persönliche Kritik wendet sich also in erster Linie gegen diese englische Mutter, die Marco Weiss überhaupt erst zur Anzeige bei den türkischen Behörden gebracht hat! Es zeigt sich einmal mehr, daß die angelsächsische Katastophen-Mentalität dazu führt, daß sich solch ein tragikomischer Fall überhaupt ereignen kann.

Was die Türkei angeht, so finde ich, daß ein gerechter Richter nicht stur auf die Einhaltung irgendwelcher Gesetzte schauen, sondern einen Blick auf das gesamte Bild werfen sollte. Weder Marco, noch das Mädchen, sind Türken! Vielmehr muß jedwede halbwegs nach Gerechtigkeit strebende Justiz berücksichtigen, daß die beiden Personen aus einem anderen kuturellen Kreis kommen, und demnach nicht nach türkischem Recht verurteilt werden sollten. Eine Verurteilung nach Türkischem Recht wäre vielmehr wie eine Einmischung in Angelegenheiten zweier EU-Staaten (nämlich Großbritanniens und Deutschlands); die Türkei ist durch diesen Fall weder gefährdet noch nachhaltig geschädigt. Es macht insofern eine Menge Sinn, wenn ein Türkisches Gericht den Fall an die Deutsche Staatsanwaltschaft übergibt (die ja ihrerseits schon Ermittlungen aufgenommen haben). Zwei geschlechtlich entwickelte Menschen zu kriminsalisieren.... das kann wieder nur einem Staat einfallen, der seine Bürger bevormundet und gängelt! Ich will hoffen, daß das Ganze noch gut für Marco ausgeht und er dieses Erlebnis eines Tages einfach unter "schlechter Erfahrung" verbuchen kann. Persönlich denke ich, daß dieser Fall nicht gerade mehr Sympathien für die Türkei fördern wird, sondern nur dazu angetan ist, Vorurteile zu stärken und die Ablehnung einer Mehrheit der EU-Bürger gegen einen Beitritt zu untermauern.

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"Ich bin kein Krimineller"

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