Donnerstag, 17. Januar 2008

Der Fall Nokia

Da haben wir es wieder: Ein in Deutschland ansässiges Großunternehmen meldet die beabsichtigte Streichung von 4.000 Arbeitsplätzen, und die Aufregung im Land ist groß. Mitarbeiter fühlen sich ausgebeutet, die Politik spricht mal wieder von unmoralischem Handeln und debattiert gesetzliche Regelungen. Ha ha, das ist so typisch! Es ist fürchterlich, sich klar zu machen, wie wenig die Maxime eines Unternehmens hierzulande bedacht wird. Der Zweck eines Wirtschaftsunternehmens ist Gewinnmaximierung. Gewinn-Maximierung. Der Gewinn soll maximiert werden. Wenn dies in Land A weniger möglich ist, als in Land B, so wird der Umzug nach Land B erwogen. So ist das.

Immerhin: In der Begründung zu diesem Schritt erwähnte der Nokia-Sprecher, daß die Arbeitskosten in Deutschland zehnmal höher sind, als im osteuropäischen Ausland. Kein Unternehmen ist verpflichtet, erst pleite gehen zu müssen, bevor es sich Gedanken darüber machen kann, seinen Gewinn zu steigern. Im Gegenteil: Jedes verantwortungsvolle Management wird sich rechtzeitig umschauen, unter welchen Rahmenbedigungen gewirtschaftet und produziert wird. Im Falle Nokia ist der Schlag ins Gesicht der Deutschen Öffentlichkeit darin begründet, daß die "empfundene Ungerechtigkeit" in diesem Fall diametral den Interessen der Wirtschaft zugegen läuft. Man verhält sich hierzulande so, daß man sich allen moralischen und ethischen Idealen verschreibt und immer wieder feststellen muß, daß die "ach, so böse" Welt eben anders funktioniert, als man es wahrhaben möchte. Dies sollte der breiten Öffentlichkeit zu denken geben, was hier wohl falsch läuft. Interessanterweise wird in der Debatte gar nicht erwähnt, daß sich Nokia und Siemens im Jahr 2007 zu Nokia Siemens Networks (NSN) zusammengeschlossen haben. Es geht also keineswegs um ein rein ausländisches Unternehmen. Ebenso wurde bei diesem Zusammenschluß im April 2007 gemeldet, daß 6.000 Arbeitsplätze absehbar gestrichen werden müssen. Insofern fallen die nun angekündigten Kündigungen also keinesfalls unabsehbar "vom Himmel", sondern folgen längerfristigen unternehmerischen Analysen und Planungen.

Sicher, die Nokia-Miarbeiter fühlen sich verständlicherweise ausgenutzt und ausgebeutet, aber: In einem Land, in dem mehr als 60% der Bürger den Sozialismus als eine "gute Sache" bezeichnen, sollte man sich schon selbstkritisch fragen, welche Anreize man Unternehmen überhaupt gibt, im Land zu bleiben. SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und die Linke... alles Staats-Umverteilungsparteien. Der Fall Nokia zeigt dabei deutlich, wie blödsinnig und kontraproduktiv dieser Umverteilungswahn ist. Schauen wir doch mal genauer hin: Die Einkommenssteuer der Mitarbeiter wird vom Fiskus u.a. für große Beitragszahlungen an die EU verwendet, die ihrerseits 20 Mrd. als Investitionszuschüsse an Rumänien gezahlt hat. Diese werden u.a. für Investitionen in die Infrastruktur genutzt, kommen also den dortigen Unternehmen direkt oder indirekt auch zugute. Zwar wird gesagt, daß Nokia in Rumänien keine direkten Subventionen erhalten wird, doch kann man davon ausgehen, daß es den einen oder anderen Anreiz geben wird, um die Produktion dorthin zu locken. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis, daß wir letztlich den Abfluß innländischer Arbeitsplätzen selber finanzieren. Der Sozialstaat verhindert nicht soziale Schieflagen (wie behauptet), sondern er fördert ihn. Teilweise verursacht er ihn sogar.

Dabei verdeckt die gespielte Aufregung der Politik doch nur den Fakt, daß extrem hohe Abgaben keineswegs zu "sozialer Gerechtigkeit" führen, sondern genau zu dessen Gegenteil. Spricht ein Politiker diese Dinge jedoch öffentlich an, wird er (oder sie) sofort als "neoliberal" verhöhnt (in Verkennung der wahren Bedeutung des Begriffes). Dummheit hat schon immer am lautesten gelacht. Wenn ich meine Frau dauerhaft schlecht behandle, muß ich mich nicht wundern, wenn sie mir eines Tages davonläuft. Das Gleiche gilt für Unternehmen: Wenn man Unternehmen dauerhaft schlecht behandelt, so muß man sich über deren Abwanderung ebenfalls nicht wundern. Wenn ich Bevölkerung wie Unternehmen schamlos abkassiere, dann kann es eben passieren, daß diese die Auslandsflucht antreten. So ist das. Der Fall Nokia zeigt eines: Die Politik, die sich sofort das Prädikat des "sofortigen Handelns" auf die Brust heftete, eröffnet reflexartig eine Scheindebatten, die die wahren Zusammenhänge verschleiert. Warum? Nun, der Moloch aus Politik und Staat zwischen den Blöcken "Bürger" und "Wirstchaft" lebt nicht schlecht davon. Das soziale Bewußtsein, das reflexhafte Aufschreien in solchen Fällen, rechtfertigt dann auch das Abkassieren und Ausbeuten. Selbstkritik? Fehlanzeige. Selbstbescheidung? Ebenfalls Fehlanzeige. Da wird der Begriff der "Subventions-Heuschrecke" geboren, und blendet letztlich aus, daß ebendiese Subventionen offensichtlich erforderlich waren, um trotz mangelnder Wettbewerbsfähigkeit ein Unternehmen wie Nokia überhaupt nach Deutschland holen zu können. Die staatliche 'Subventionitis' verschleiert die Symptome, wo doch der Kern der Krankheit benannt und angegangen werden müßte. Da mahnt Herr Benneter (SPD) im Bundestag den "Sozialen Zusammenhalt" an. Ach! Der schließt Unternehmen (und Unternehmer) aus, oder wie? Wo ist der Zusammenhalt gewesen, als zu Beginn des Jahres 2007 die größte Steuererhöhung in Deutschland seit dem Kriegsende beschlossen wurde? Ich glaube kaum, daß dies den Zusammenhalt zwischen Staat und seinen Bürgern und Unternehmen gefördert hat. Wie zufällig genehmigen sich dann dieselben Politiker eine 9,7%ige Diätenerhöhung. Wo war hier der "Soziale Zusammenhalt"?

Vielleicht sollte sich die Debatte doch mal wieder intensiver um den Standort Deutschland drehen.

1 Kommentar:

macdet hat gesagt…

klasse. wir sollten mal reden!